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spiel /spass /spannung

ankommen – erster Tag

ankommen

beat vogel ist in eine psychiatrische klinik eingetreten. über die hintergründe wird er nach und nach selber berichten, zur zeit ist alles neu, zu viele infos, birne randvoll. erst mal ruhe und ankommen.

wo bin ich gelandet?

was glaubst du denn? in der klapsmühle. musstest es nochmal so weit kommen lassen. hat dir nicht gereicht, vor vielen jahren am absoluten ende zu stehen, nur noch mit den optionen dein leben radikal zu ändern oder zu beenden. damals hattest du mehr kraft, hast dir paar „saubere“ jahre und ein einigermassen lebenswertes leben erkämpft.

und jetzt? war dir das ernsthaft zu wenig? musstest echt nochmal ganz zurück auf start, bis zum hals in die scheisse und dann noch viel tiefer runter.

also nochmal aufstehen, wünsche dir energie, kraft und gelassenheit dazu.

auf dass du weisst, was du willst.

leer – fünfter tag

leer

beat vogel ist nach dem gestrigen putzintermezzo in den kreis seines clans geflohen. jetzt ist er leer. irgendwas ist dort ganz falsch gelaufen. nur weiss er noch nicht genau was. die ganze zugfahrt zurück in die klinik hat er überlegt, versteht aber nicht, was ihm so zu schaffen macht. Ein glück, klappt es wenigstens mit dem schlafen besser.

warum sind wir so, ist das was genetisches?

hör zu, alter ego, ich bin selber ausgehöhlt wie ein kürbis und komplett leer, heute musst du auf meine predigten verzichten. hab einiges zu verarbeiten, bei mir lief es auch nicht reibungslos.

hatte mich echt gefreut, meine familie nach zwei monaten wieder mal zu treffen, und dann – keiner hat ernsthaft nachgefragt, wie es mir geht. nix. nicht aus desinteresse, sondern aus angst. lieber hallo sagen und dann schnell das thema wechseln. fragt ein familienmitglied: „ist das sowas wie ein bauernhof, wo du jetzt bist“? ich so: „nee, psychiatrische Klinik“. er so beinahe vom stuhl gekippt. habe es in ihren augen gesehen, „hoffentlich erzählt der jetzt nicht vom leben in der klapse, sowas krankes“.

genetisch – gute frage. in unserer sippe war das schon immer der modus operandi. alles flink unter den teppich kehren. probleme sind nicht zum lösen da. schon gar nicht zum an- und besprechen. die gehören ganz einfach unter den deckel. dann gibt es platz für harmonie. kann dort ruhig vor sich hin gammeln, sieht ja keiner. merkt ja keiner.

erkenntnis des tages, ich funktioniere ebenso. kopf einziehen, schnauze halten und runterschlucken. ein baustein, der mich immer wieder in die scheisse laufen lässt.

oder bin ich seulement zu empfindlich? fühle mich zwar nicht so als blüemli, mimösli, aber wer weiss, nach all der wurstlerei. leer fühle ich mich grad wirklich. irgendwas ist abhanden gekommen, fühlt sich unangenehm an.

prüfung – vierter tag

prüfung

beat vogel darf, nein, er muss heute nach hause, ins wochenende. „konfrontation mit dem alltag“ als prüfung. die hohe kunst der therapiearbeit! schon beim aussteigen aus dem zug gehts los. an jeder ecke der heimatstadt steht ein altbekannter blutwursthändler. unser toller beat vogel nimmt diese hürden mit links. reine willenssache.

der echte test ist heute ein ganz anderer. beat muss in seine wohnung, erstmals nach zwei monaten. ihm graut davor, er erinnert sich nur undeutlich, was er zurückgelassen hat. hat respekt vor dem was ihn erwarten könnte. zum glück hatte er für einmal seinen verstand eingeschaltet und sich vorab als verstärkung einen schutzengel gewünscht. er wurde erhört, der bestmögliche schutzengel überhaupt kam angeflogen und hat ihm kräftig den rücken gestärkt.

kann ich bitte sofort weg aus dieser katastrophe?

denkste, bleiben, hinsehen und anfangen, dein chaos zu beseitigen, subito! hast du dir schliesslich zu 100% selber eingebrockt. schau, schutzengel hat sich schon den staubsauger geschnappt, jetzt mach den kiefer zu und leg los.

erst weg mit den spuren der monatelangen orgie. direkt in den sack, nicht nachdenken. all die leeren blutwurstdärme, das ganze kochgeschirr, all die fett- und blutklumpen, weg damit. jetzt in die küche, mach den abwasch. sieh hin, hattest den letzten monat zu hause eh nix mehr zu fressen. keine angst, hier lebt nichts. aber leichen gibt es genug, der herbst hat alle deine pflanzen erwischt. traurig, seit dem 21. september keinen tropfen wasser, entlaubung total im wohnzimmer.

du bist ein komischer vogel. nach einer stunde bist du am anschlag. also genug, einverstanden, besser du haust jetzt schnell ab. nächsten samstag dann waschen, für heute war das genug prüfung.

durchgezogen, bin fast ein wenig stolz auf dich. und dir, schutzengel, tausend mal danke!

schlaflos – dritter tag

schlaflos

beat vogel hat seit tagen kaum ein auge zugetan. schlaflosigkeit. gehört zu den netten zutaten eines blutwurstentzuges. der organismus war von der vielen wurst der vergangenen monate gut und gründlich sediert. entsprechend rebelliert er nun, hat verlernt, wie er selbständig zur ruhe kommt, den rhythmus verloren. schlaflos.

ein kleiner bissen würde mich erlösen?

natürlich, am besten intravenös! darf es sonst noch was sein? zum aufputschen ein happen leberwurst? bist jetzt drei tage hier, ich erinnere dich an deinem letzten absprung von den wurstwaren und die zweimonatige hungerstrecke mit höchstens zwei stunden schlaf die nacht. vergiss es, du lebst jetzt fleischlos.

schlussendlich deine entscheidung. egovogel, denk einen augenblick an deine mädels, die sind seit frühester kindheit vegetarierinnen. und verstehen nicht was du da abgezogen hast. selber reingeritten und am jammern. alter sack, komm auf den boden und reiss dich zusammen, mach kein drama draus.

und dann schlaf, los.

aufgeschlagen – zweiter tag

aufgeschlagen

beat vogel ist hart gelandet in der klapse. aufgeschlagen. dabei hat er genau gewusst, dass neuerlicher blutwurstkonsum sein ende bedeutet. bereits früher hat er sich damit beinahe zu tode gefressen. seine gier war erneut stärker, denn das fleisch ist schwach.

nie mehr blutwürste?

was denkst du denn? hättest du das zeug wenigstens; schlimm genug, gekocht gegessen oder; noch schlimmer aber immerhin, vertrockneten black pudding – aber nein, der herr muss den mist roh fressen bis sein eigenes blut in den venen zu kochen beginnt. reife leistung, gratulation beat, zumal in zeiten der schweinegrippe, wo jeder halbwegs vernünftige weiss, dass man keine rohe blutwurst schluckt.

sei froh hast dir immerhin keine seuche, bazillen, parasiten, irgend einen chäber eingefangen, wieder hast du gelebt wie einer, der in zeiten der pest nackt in einer leichengrube tanzt.

noch nicht testen lassen? keine Zeit? die hosen voll, angst? na dann, süsse, lange, schlaflose nächte.

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